‚Fasten‘ gibt es heute in vielfältigen Formen. Da ist das klassische Fasten als Verzicht auf bestimmte Lebensmittel bzw. eine generelle Einschränkung der Mahlzeiten – wofür es sehr verschiedene Gründe geben kann. Daneben treten analoge Modelle: Internet-Fasten, Facebook-/Whatsapp-Fasten etc. Dies alles lebt oft vom Gedanken des Verzichtes.

Religiöses Fasten hat aber – nicht nur im Christentum, sondern z. B. auch in Judentum und Islam – daneben eine zweite Komponente: das Geben. In diesem Sinne ist religiös motiviertes Fasten gleichzeitig sozial-ethisches Fasten: Was man durch das Fasten an Ausgaben für sich selber einspart (und gerne auch mehr …), wird verwendet, um damit armen und Not leidenden Menschen zu helfen.

Damit rückt der Mitmensch in den Mittelpunkt. Und unsere Aufmerksamkeit für ihn, seine Sorgen und Nöte, Ängste und Befürchtungen, seine Lebenssituation, sein Hoffen und Bangen.

In der katholischen Kirche verbindet sich die vorösterliche Fastenzeit in diesem Sinne auch mit dem „Misereor-Fastenopfer“, also einer Gabe, die über das Hilfswerk Misereor bedürftigen Menschen zugute kommt. Mit dem diesjährigen Akzent auf Syrien und Libanon kommen dabei zwei besonders aktuelle Krisenregionen unserer Erde in den Blick.

Aber auch die oben erwähnten analogen Fastenmodelle können in diese Richtung ‚erweitert‘ werden: wenn es nicht (nur) darum geht, mehr Zeit für sich selber und für andere Dinge/Hobbies zu gewinnen, sondern (auch) dem Mitmenschen mehr Zeit zu schenken in direktem, leibhaftig-persönlichem Kontakt: Familie, Freunden etc., vielleicht gerade jenen, die wir durch „Habe keine Zeit!“ besonders verletzt haben.